Die Medien treiben die Sau immer wieder gerne durchs Dorf. Die Mittelschicht stirbt. Aber tut sie das wirklich? In solchen Momenten darf man sich nicht auf Emotionen verlassen, sondern harte Fakten suchen.
Ich hab pausiert und nachgedacht. Nicht dramatisch, eher ruhig. Geh ich da gerade unter oder bilde ich mir das ein? Laut den Zahlen eher nicht. Die Mittelschicht ist nach wie vor riesig, sie macht seit Jahren einen sehr stabilen Anteil der Bevölkerung aus. Rein statistisch gehöre ich ziemlich klar dazu. Das klingt erstmal beruhigend.
Trotzdem fühlt sich diese Mitte brüchiger an als früher. Vielleicht weil wir heute anders leben. Eigentum ist schwer erreichbar, das sagen auch die Daten. Dafür fließt Geld in Dinge, die man früher weniger bedacht hat. Zeit, Erlebnisse, Bildung. Das verändert den Blick auf Wohlstand, und vielleicht auch auf Sicherheit.
Was mir z.b. das ZIB Video gut gezeigt hat, war dieser Unterschied zwischen Gefühl und Realität. Die Einkommen sind real gestiegen, auch wenn man es im Alltag nicht immer merkt. Gleichzeitig ist die Unsicherheit größer geworden. Längere Ausbildungswege, mehr Brüche im Lebenslauf, das macht etwas mit einem.
Am Ende bin ich mit einem ruhigeren Gefühl ausgestiegen. Nicht alles wird schlechter. Aber vieles ist komplizierter geworden, und das darf man ruhig zugeben, auch wenn man sich manchmal selbst dabei ertappt, ein bissl zu pessimistisch zu sein.