Seit April letzten Jahres bekleidet eine Miemingerin das Amt der Landesvolksanwältin. Maria Luise Berger, Tochter von Anna und Alois Berger, wohnt seit ihrer Geburt in Mieming. Ihr Büro hat sie in Innsbruck, wo sie auch ihr Jus-Studium absolviert hat. Wir treffen uns mit ihr und dürfen sie nach ihren Eindrücken und Erfahrungen fragen, die sie seit ihrem Amtsantritt gesammelt hat. 

Wir veröffentlichen ein Gespräch mit Maria Luise Berger aus der aktuellen Ausgabe der Mieminger Dorfzeitung.

„Nach einem dreiviertel Jahr als Landesvolksanwältin kann ich Gott sei Dank sagen, dass ich für mich persönlich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Das Miteinander ist besser, als ich es erwartet habe. Schön wäre natürlich, wenn alle Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung mithelfen würden, Lösungen für die Probleme der Menschen zu finden. Ebenso wäre eine gute Gesprächskultur, auch der Beschwerdeführer, also meiner Klienten, wichtig. Das ist aber wohl nicht nur mein Wunsch…“

Was bewegt die Leute in unserem Land am meisten und mit welchen Problemen kommen sie hauptsächlich zu dir?

„Die Menschen kommen mit vielen Beschwerden und Problemen zu mir. Gerne berate ich sie, muss allerdings darauf hinweisen, dass ich nur für Verwaltungsangelegenheiten eingesetzt bin. Ich bin also da, wenn es um Probleme mit Behörden geht. Diese kontrolliere ich mit meinem erfahrenen Team unabhängig und weisungsfrei. Helfen kann die Landesvolksanwaltschaft z.B. bei sozialen Problemen, etwa die eigene Existenzsicherung betreffend. Wir sind auch für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen da. Da es in Tirol noch keine Landeseinrichtung als Anlaufstelle für Personen mit z.B. psychosozialen Problemen gibt, kann der erfahrene Behindertenansprechpartner in meinem Team hier helfen. Ebenso erhalten wir viele Anfragen in Zusammenhang mit Wünschen beim Hausbau oder einer Flächenwidmung. Vielseitig sind auch die Beschwerden im Zusammenhang mit Betriebsanlagen oder Lärm. Hier hilft manchmal schon ein gutes Gespräch mit allen
Beteiligten.”

Wann sind die Menschen bei dir an der falschen Adresse?

„Als Landesvolksanwältin bin ich nicht zuständig für zivilrechtliche Streitigkeiten, auch vertrete ich niemanden vor Gericht. Immer wieder werde ich auch mit Nachbarstreitigkeiten
oder Problemen mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung konfrontiert. Hier handelt es sich meistens nicht um Verwaltungsthemen. Andere Bereiche der Bundesverwaltung wie
etwa Beschwerden betreffend das Sozialversicherungsrecht, Asylrecht oder Angelegenheiten der Polizei werden von den Volksanwälten oder anderen Bundesstellen in Wien besorgt. Hier kann ich keine Beratung übernehmen. Gerne hilft die Landesvolksanwaltschaft aber damit, dass wir den Menschen die zuständigen Stellen nennen und wenn notwendig auch den Kontakt herstellen. Eigene Ombudsleute gibt es darüber hinaus in Tirol z.B. für das AMS oder die TGKK.“

Wie geht es dir mit dem „Abschalten“ von den Problemen, die an dich herangetragen werden, etwa am Wochenende?

„Es ist nicht ganz leicht, all die Sorgen der Menschen aufzunehmen und leider kann ich nicht für alle etwas tun. Aber wenn ich mit meinem engagierten Team zuständig bin und helfen kann, dann macht das viel Freude und wiegt die schweren Fälle oder nicht so schönen Erlebnisse auf. Die Verantwortung ist trotzdem groß und es ist keine leichte Übung, die vielen Probleme binnen kurzer Zeit aufzunehmen, richtig einzuordnen und möglichst rasch nach einer Lösung zu suchen. Es gibt sehr intensive Zeiten, etwa Wochen mit Sprechtagen in allen Bezirken. Meine Aufgabe ist es dabei, den Klienten gut zuzuhören. Das geht oftmals sehr nahe und hier bin ich auch gefordert, mich nicht zu überlasten. Ich versuche jedenfalls, genau hinzuhören und zu erspüren, wie es dem Menschen gerade geht. Zu wünschen bleibt dann bei der eigentlichen Beratung, dass die Menschen meinen Lösungsansatz verstehen, insbesondere wenn ich das Problem anders sehe als sie. Es kommt auch vor, dass nicht das Handeln der Verwaltungsbehörde oder die Gesetze das Problem sind, sondern die Kommunikation mit der Verwaltungsbehörde oder der Politik. Hier geht es um den zwischenmenschlichen Bereich und oft hilft schon ein nochmaliges Erklären oder Vermitteln“.

Wie schaffst Du den Ausgleich dazu?

„Meinen Kopf bringe ich frei durch Bewegung im Freien, auch bei kulturellen Veranstaltungen oder im Kino. Besonders wertvoll sind für mich die dabei entstehenden netten Gespräche mit Freunden. So habe ich z.B. die Kunst als Hobby für mich entdeckt und bin Mitglied im Kunstwerkraum Mesnerhaus in Untermieming.“

Da kommt dir dein Wohnort, unser Mieming, natürlich ganz besonders entgegen. Wir haben ja jede Möglichkeit dazu, sei es beim Wandern, Berggehen oder Klettern, derzeit geht sogar das Langlaufen in Mieming wieder, zum Schifahren haben wir auch nicht weit.

Liebe Maria Luise, wir – das Redaktionsteam – wünschen dir und deinem Team in der Tiroler Volksanwaltschaft alles Gute, viel Erfolg – mögest du stets für die Probleme, die an dich herangetragen werden, eine Lösung finden. Wir bedanken uns für das Gespräch.

Burgi Widauer

Ich bin seit vielen Jahren Mitglied im Redaktionsteam der Mieminger Dorfzeitung und habe 2010 die Chefredaktion übernommen. Seit Gründung (vor vier Jahren) bin ich auch aktives Redaktionsmitglied von Mieming-Online.

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