Obermieming und Barwies – Ungeschminkt und deshalb schön

Der Winter hat sich angekündigt, seine Vorboten entsendet und nun ist er da. Noch nicht mit voller Wucht, aber unmissverständlich. Diese Jahreszeit gibt ungefärbte Bilder preis, die Frühling, Sommer und Herbst üblicherweise vor direkten Blicken schützen. Solche Bilder haben wir auf unserem Sparziergang von Obermieming nach Barwies und zurück eingefangen. Ansichten – ungeschminkt.

Was sehen wir, wenn wir uns von den Postkarten-Motiven losreißen, die unsere Gemeinde Mieming mit ihren Ortsteilen „geschminkt“ zeigen? – Bilder, die uns andere Ausschnitte präsentieren und deshalb vieles zeigen, was wir im Alltag gerne übersehen.

Häuser, die ohne ihren Blumenschmuck sehr verlassen ausschauen. Hauswände, grob aus Stöttlbach-Steinen und einfachem Mörtel gemauert. Darauf aufgesetzte Giebel, Dächer und Balken die zeigen – bei allem Respekt – wie vergänglich alles Materielle ist.

Zwischen Sonnenkollektoren, Satellitenschüsseln und Kaminen zeigt sich der Kontrast zwischen Moderne und Tradition. Das Schild einer Autowaschanlage, vor dem der einfache Mieminger rätselnd stehen bleibt und sich kopfschüttelnd fragt, „was heißt denn eigentlich »Car«? Und fehlt bei dem »Wash« nicht noch ein »C« vor dem »h«?“

Barwies – sich vor fremden Gästen leicht verbeugend – gleich hinter dem »Mieming-Schild«, mit Kirche und Holz-Häusl. Ohne Zweifel, für das schnelle Geschäft. Handwerksbetriebe die von aufgeschichteten Holzwänden geschützt werden. Die signalisieren, bei uns wird noch mit Holzöfen geheizt. Der Mieminger Gletscher, im Volksmund besser bekannt als der »Fisch«. Schneeüberdeckt – im starken Kontrast zu Balkonen und Häusern. Häuser, deren Wandmalereien zeigen, wie das Anwesen einmal früher aussah.

Aufgetürmte Holzleggen (sagt man das so?) contra grob geschichteten Sillage-Ballen. Ganz nah die Familien-Katze aus dem Hause Wallnöfer. Eine Vorzeige-Katze mit Charakterkopf, die sich über all das wundert. Auch über seltene Artgenossen in ihrer Nachbarschaft, die zwar wie Hühner aussehen, aber irgendwie auch sehr exotisch wirken. In dieser Weise aufgereiht, auf einer grob geschlagenen Holzbank.

Der „Lanbach-Brunnen“, den man scheinbar beim Abräumen der alten Barwieser Häuser stehen ließ. Und dazu ein paar Häuser, die ihren Charme lang vergessener Zeiten erhalten haben. Die Gardinen hinter den Fenstern lassen vermuten, dass sie seit Jahren niemand mehr zuzog oder jemand rausschaute.

Steine. Zur Wegmarkierung oder um Parplätze suchenden Autos zu signalisieren: Schleich dich, wir mögen es nicht, dass du ausgerechnet hier stehen bleibst. Die Georgskirche – mit der Gelassenheit ihres hohen Alters in aller Ruhe zuschauend, wie der kleine Holzeisbichl für seine lokalen Wintersportaufgaben präpariert wird.

Mieming, wie wir es unbewusst wahrnehmen. Ungeschminkt und deshalb schön.

Fotos: Andreas Fischer

Kaspar Koller

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