Rundflug über das Mieminger Moos – Mit den Störchen auf Flügelhöhe

Ob du in diesen Tagen im Café Maurer hockst, bei Rita in Untermieming, bei der Lilli in Barwies, im Greenvieh, am Café-Automat im Lagerhaus oder beim Seelos – die „Mieminger“ Störche sind Thema Nummer Eins. Überall. „Gewöhn dich nur nicht an die Beiden, sonst werden sie dir bald sehr fehlen“, warnte mich der Post Hannes, der das berühmte Storchenpaar aus Mieming sehr gut kennt. Wenn er mit dem Traktor sein Früherdäpfel-Feld im Moos beackert, kümmert das die Störche überhaupt nicht. Sie konzentrieren sich auf Regenwürmer und Mäuse. „Die sind auf der Durchreise“, sagt Hannes. Sagen eigentlich inzwischen alle. Fortsetzung in der Mieminger Storchen-Geschichte.

Mein Telefon klingelt. Maria Strigl ist dran. Heimkommend nach Mieming. „Ich bin gerade auf dem Weg von Affenhausen nach Obermieming. Die Störche sind wieder da“. Das war gestern, gegen halb-Drei am Nachmittag. „Am besten fährst Du zum Thaler Edi, suchst Dir dort einen Parkplatz. Dann siehst Du sie, im Moos“. Während ich schon nach meiner Kamera greife und einem geeigneten Zoom-Objektiv, höre ich Maria noch sagen: „Das sieht so aus als hätten die viel Zeit“. Mit anderen Worten, riskiere nicht dein Leben.

Ich parke am Stall von Edi (entschuldige, bitte Edi, das war ich!), gehe über die Bundesstraße, auf das Moos zu und da sehe ich auch schon den ersten Storch. Neugierig, über mir Kreise ziehend und schließlich auf einer Lärche zwischen parkend. Die ersten Fotos im Kasten. Ich gehe weiter, Richtung Affenhausen. Drehe mich um. Weg. Kein Storch mehr zu sehen, dafür andere Fotografen, die aus gleicher Absicht und zum Teil mit ofenrohr-langen Objektiven die Störche ablichten möchten.

Ich lasse mir Zeit. Im Moos ist es im Frühling so schön. Da kann man noch das ein oder andere Landschaftsbild knipsen. Die Georgskirche von nahezu allen Himmelsrichtungen aus, die berühmten Mieminger Plateau-Lärchen, die auf jedem Herbstfoto golden ausschauen, die morbiden Heustadl. Die sehen so aus, als wollten sie mit dem „Schiefen Turm von Pisa“ konkurrieren. Und die Geräuschkulisse. Für Störche muss das schöner klingen als die Wiener Philharmoniker. Die akustische Atmosphäre verspricht Futter satt. Also – kein Grund zur Eile.

Das steckt an. Die Betrachtung unserer Störche hat etwas Meditatives. Ich sitze in der schönsten Wiese, weit und breit. Warte, und während ich gerade einen Wassertank für durstige Schafe fotografiere, stehen die Klapperstörche zum Greifen nah im feuchten Moos. Als wollten sie mir signalisieren, jetzt darfst du. Du darfst uns fotografieren. Dann ziehen sie ihre Kreise, nutzen die Thermik und lassen sich von den Aufwinden zur Mieminger Kette tragen. In Null-Komma-Nichts kreisen sie am Hochplattig und über dem Gachen Blick. Mit meiner Kamera begleite ich das Storchenpaar und die scheinen nichts dagegen zu haben.

Da hat sicherlich eine höhere Kraft seine Finger im Spiel. Die kurze Andacht am neu restaurierten Wegkreuz hatte zwar damit nichts zu tun, könnte aber gerade deshalb mit dazu beigetragen haben, dass ich gestern Nachmittag keine Not hatte, die herrlichsten Motive einzufangen. Jetzt höre ich sie wieder sagen, die Caro, die Burgi, die Elisabeth oder den Otti, „so schön ist es bei uns“. Ja. Eigentlich ist es noch schöner. Danke, liebe Störche und ich freue mich auf die Begegnung mit Euch, im nächsten Frühjahr.

Vorher, im Dezember dieses Jahres, werden wir mal im Gemeindeamt anfragen, ob die Geburtenrate erkennbar höher ist als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ich sage nur eins – „Klapperstörche“ über Mieming.

Übrigens: Auf dem Heimweg begegneten mir Rita und Michi, mit Balou. 50 Kilometer pro Woche. Mindestens. Sagt Rita. Bei jedem Wetter. Sagt Michi. Kurzer Jogger-Blick auf die Störche auf Hannes‘ Erdäpfelacker. Und schon laufen sie weiter. An der Georgskirche vorbei. Nach Untermieming.

Fotos: Knut Kuckel

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
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