Anschlag auf den Mieminger Maibaum – „Einmal musste es ja sein“

„Ich konnte noch sehen, wie die Burschen Fersengeld gaben“, sagte Michael Wallnöfer, „dann waren sie schon Richtung Mötz/Stams auf und davon“. Niemand mag sich festlegen, schon gar nicht bei einer derart dünnen Indizienkette. Das gilt auch für den Obmann der Jungbauernschaft / Landjugend Mieming. Obwohl der Barwieser Maibaum bewacht wurde, mit Latten ummantelt war und mit einem robusten Drahtgeflecht gegen Kettensägen geschützt, fiel er am Morgen des 1. Mai, zwischen 5-Uhr-30 und 5-Uhr-45. 

Das war die Zeit, wo die Wächter eine benachbarte Ecke aufsuchten, um eine lange aufgestaute Nordurft zu verrichten. „Höchstens fünf Minuten“, wurde beim anschließenden Faktenaustausch reflektiert. Die kurze Bachlepause reichte den Maibaum-Attentätern, um ihren üblen Plan fein-säuberlich auszuführen.

Das „A-Team“ konnte es wieder richten

„Respekt“, raunte die versammelte Jung- und Altbauernschaft am Wallnöfer-Platzl. Über die tatsächliche Zeit der verhängnisvollen Bachlepause kann im Nachhinein nur spekuliert werden. Jahr für Jahr konnte der „schlimmste anzunehmende Vorfall“ vor dem Maifest in Mieming erfolgreich verhindert werden. Generationen von Jungbauern verdienten sich mit der Maibaum-Wache ihre ersten Sporen. „Einmal musste es ja mal sein“, war von den Altvorderen zu hören. „Wir hatten keine Zeit zum Nachdenken“, sagte Bauernobmann Benedikt van Staa. Ein Rundruf und das „A-Team“ war zur Stelle. Jeder, auf seinem Platz, ein hochqualifizierter Experte. Kurz nach 6-Uhr war der gesamte Tross schon mit schwerstem Gerät im Paradeisl, um einen neuen Maibaum zu fällen.

Reife Leistung

In der Zwischenzeit wurde der 1. Maibaum, eine Schenkung von Charly Wett aus Barwies, am Hof seines Spenders abgelegt und der Eduard-Wallnöfer-Platz für den neuen Baum hergerichtet. Dann ging alles Hand in Hand: die Kirchturm-Uhr gegenüber zeigte die Zeit an – es war kurz vor 9 Uhr vormittags als der neue, geschmückte Baum, hochgehoben wurde. Kurz nach 9 Uhr stand er an seinem Platz, so als hätte er nie woanders gestanden. Das war eine reife Leistung. „Früher“, sagte Max Pirpamer, wäre in einem solchen Fall das Maifest ausgefallen, „heute wissen wir uns zu helfen“. „Fünf Minuten früher“, ergänzte noch Michel Sonnweber, der für Jungbauern und Mieming-Online den Sachverhalt fotografisch festhielt, „…nur fünf Minuten früher und ich hätte noch den fallenden Baum fotografieren können“. Schallendes Gelächter.

Vergnügen der Täter war kurz

Das Maifest 2013 in Mieming konnte in der weiteren Folge nicht nur mit Anstand gefeiert werden, es wurde sogar ein Riesenerfolg. Wo auch immer die Baum-Attentäter zu vermuten sind, ihr Spaß war nur von kurzer Dauer.

Jungbauernschaft /Landjugend Mieming:www.jb-mieming.at

Fotos: Michael Sonnweber

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
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