Palmbuschen Binden – „Beim Nachbarn auf dem Steirerhof“

Viele Familien haben sicherlich den Samstag vor Palmsonntag ähnlich verbracht. Das Wetter passte. Bis zum späten Nachmittag. Die alten Palmbuschen wurden auf ihre Bestandteile hin untersucht und diese meist der Entsorgung zugeführt, die neuen wurden gemeinschaftlich gebunden, der Steirer Andi besorgte seinen Hof, reparierte hier und da irgend etwas und war im übrigen für die Materialbeschaffung beim Palmbuschen Binden zuständig. Zwischendurch brachte er aus seinem Devotionalien-Keller das Kreuzgebinde vom letzten Almabtrieb hervor oder aus dem Souvenir-Regal, gleich um die Ecke, eine echte tibetanische Kuhglocke. Sein besonderer Stolz.

Wer macht was, am Samstag vor Palmsonntag?

Die zweijährige Anna-Lena malte ihr erstes Aquarell. Das hängt jetzt über meinem Schreibtisch. – Carina und Jenni (Vorname von der Redaktion auf Bitte der Eltern geändert) machten währenddessen mit den Ponys Sophie und Beauty Wettrennen. Die zottelige Sophie war grantig, weil sie eine unpassende Trense hatte, Beauty „lammfromm“. Carolin band bis zum Abend mit Daniela Palmbuschen, damit morgen niemand mit leeren Händen vor den Herrn treten muss und ich habe das alles neben dem ein oder anderen Plausch über sich verändernde Traditionen fotografiert. Die Mieminger Berge stießen hier und da ein paar Lawinen ab. Fotografieren konnte ich das, vom Hochplattig in die Jude.

Das Palmbuschen Binden

Carolin und Daniela haben das „Palmbuschen Binden“ schon als Kinder gelernt. Heute geben sie den guten Mieminger Brauch wieder an ihre Kinder weiter. „In jeder Familie wird es leicht anders erzählt“, sagt Carolin, „das hat etwas mit den Wurzeln zu tun“. Sei aber regional unterschiedlich. „Nach der Tradition“, erzählt dann Daniela, „sollen die Palmbuschen in den Morgenstunden des „Schmerzensfreitags“ vor Sonnenaufgang gebunden werden“. Aber für mich hätte man mal eine Ausnahme gemacht. Ganz wichtig, so erfahre ich, ist grundsätzlich die Teamarbeit. Die Kinder lernen das auch schon sehr früh in ihren Gemeindepfarren.

Die Zutaten

Andi holte die Stangen vom Vorjahr. Die können noch verwendet werden. Müssen aber neu gebunden werden. Wenn ich richtig aufgepasst habe, kommen Palmkätzchen bzw. Weidenkätzchen (dazu bemerkt Andi: “auf gut deutsch Oachkatzlschwoaf”) dazu, die wachsen bei uns an den Bachläufen. „Was bedeuten die Bänder…?“ – „…ich habe mal gehört, die sollen den Siegeszug gegen den Winter und vor allem einen Willkommensgruß an den Frühling bedeuten“, meinte Carolin. „Palmbuschen“ sei übrigens ein volkskundlicher Begriff, meint das Duden-Taschenwörterbuch „österreichisches Deutsch“.

Die geweihten Zweige

“Bei uns zuhaus’”, erzählt Carolin, “kommen die gesegneten Buchsbaumzweige dann in den Herrgottswinkel, hinter das Kruzifix”. Beim ersten starken Gewitter sollen einige Zweige im Ofen verbrannt werden. Das soll das Haus schützen”. Auf dem Steirerhof wird das seit Generationen noch so gemacht. Andere wiederum laufen mit den Palmbuschen ums Haus, um es gegen Hagel und Blitzschlag zu schützen.

In einer Woche ist Ostern

Der Palmsonntag ist der sechste und letzte Sonntag der Fastenzeit und der Sonntag vor Ostern. Am Palmsonntag wird des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem gedacht. Das Volk jubelte ihm zu und streute Palmzweige. Am Palmsonntag werden in der Palmweihe in unseren Pfarrgemeinden Untermieming, zeitversetzt danach in Barwies, Palmbuschen mit Weihwasser gesegnet  und in der kirchlichen Prozession als „Zeichen des Lebens und des Sieges“ mitgetragen.

Fotos: Knut Kuckel

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
→ „MediaNews.Blog" – Das Informationsportal MediaNews.Blog informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation. Versteht sich auch als Forum für die Qualität im Journalismus, für Aus- und Weiterbildung in den Medien.
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