Mieminger Fastnachtsumzug 2011 – Ein Höhepunkt war die „Labara 2011“

Nach über 27 Jahren Stöttlhex-Schlaf hat Mieming seine Fasnacht wieder. Schöner, größer und lustiger als sich dies die Verantwortlichen vom Liechtmessverein wohl je erträumten.

„Unser aller Erwartungen wurden bei weitem übertroffen“, sagten gleichlautend die Hauptstrategen vom Liechtmessverein, Obmann Rudolf Lechleitner und Schriftführer Wolfgang Schatz. Und: „Wir, persönlich, haben so etwas in Mieming noch nie zuvor gesehen“. 

Weit über 1000 große und kleine Fasnachter säumten die Straßen und Plätze beim großen Fasnachtsumzug durch unsere Gemeinde am Sonntag, dem 27. Feber 2011. Von Zein bis Barwies, der Zug passierte insgesamt vier Stationen. Dort fanden dann jeweils die Fasnachtsaufführungen statt. Im Mittelpunkt stand die „Labara 2011“, vorgetragen von Hofmarschall Siggi Auer. Das Mieminger Fasnachtslied war der Hit am Fasnachtssonntag. Inzwischen kennt es wohl jeder in- und auswendig.

Neid, Hass und Pikantes bei den Aufführungen

Bei der 9seitigen „Labara 2011“ kam so ziemlich alles an die Ohren der geneigten Öffentlichkeit, was in Obermieming, Barwies, Untermieming, Fronhausen oder See, „ihr wisst es eh‘“, in der jüngsten Vergangenheit die üblicherweise sanftmütigen Gemüter unserer Gemeinde erhitzte. Da ging es, wie der Auer Siggi in seinem Vorwort sagte, „um Kalbl- und um Schweinezüchter, um Beamte, Pensionisten und um andere Dienstverrichter“. Kaum einer wurde ausgelassen und die Themen lagen ja sprichwörtlich für die Autoren auf der Hand: Neid und Hass, Bauern und Skandale, Menschelndes und Pikantes.

Nicht mit dem Finger auf andere zeigen

Die Fasnacht persifliert und überzieht. So ist das Tradition. Aber „man sollte ansonsten nicht mit dem Finger auf andere zeigen“, mahnte der Siggi, denn ein jeder könne sich leicht zum Gespött der öffentlichen Rede machen. Der Zug mit den Motivwagen der Fasnachtsgruppen „Schnapsbrenner & Panscher“, „Laninger“, Hexen- und Bärengruppe“, „Doig’n“, „Krameter“ und der Musikkapelle Mieming startete pünktlich um 10 Uhr in Zein, beim Zeiner Hof, machte um 12 Uhr, zum Glockenschlag, Halt in Untermieming am Kirchplatz und zog von dort weiter nach Obermieming zum Gemeindeplatz. Von dort zum großen Finale, gegen 16 Uhr, nach Barwies am Kirchplatzl.

Kommuniqué der Stöttlhex

„Unsere Ansprüche waren hoch“, erzählt Wolli Schatz, der einer der ersten derer war, die an die Wiederbelebung der Mieminger Fasnacht glaubten und mit viel List und ein wenig Tücke die Stöttlhex aus ihrem 27jährigen Schlaf aufweckte. Anfang des Jahres gab sie schließlich nach und kündigte Ihr Einfliegen für den Dreikönigstag an. Seither hat sie den Gemeindeschlüssel und in der Gemeindepolitik, bis zum Abend vor Aschermittwoch, die Regentschaft übernommen. Wie sie ausgesuchte Medien in einem Kommuniqué wissen lässt, mache der Bürgermeister unter ihrer Federführung seine Sache bestens. Durchhalten müsse er, sonst überlege sie sich geeignete Sanktionen.

Fasnacht soll Tradition werden

Rund 200 Aktive, vor und hinter den Kulissen, arbeiteten rund um die Uhr am Erfolg des vorläufigen Mieminger Fasnacht-Höhepunktes. Wolfgang Schatz: „So ein kollektives Miteinander von Personen aus allen Ortsteilen und aller Alters- und Gesellschaftsklassen haben wir wirklich nicht erwartet“. Die Fasnacht habe eine Eigen-Dynamik entwickelt und seit dem Auftakt am 6. Jänner hätten sich immer mehr engagiert und mitgemacht. „Das soll Tradition werden“, sagen die Macher. Vielleicht alle drei oder vier Jahre? Das, so Schatz, wolle man bei einem kreativen Sommerfest, Mitte des Jahres, mit allen Beteiligten erörtern. „Auf gar keinen Fall müssen die Mieminger wieder 27 Jahre auf die Fasnacht warten“.

Verzicht auf die Promi-Bühne

Prominente wurden nicht persönlich eingeladen und der Vorschlag, für die Spitzen unseres öffentlichen Lebens eine Tribüne zu bauen, wurde ebenfalls verworfen. Bei dieser Fasnacht geht und ging es bisher ausschließlich um Mieming. Es waren dennoch alle da, die wohl auf der angedachten Tribüne einen Platz in der ersten Reihe erhalten hätten. Ganz vorn zu nennen unser Landtagspräsident und Alt-Landeshauptmann DDr. Herwig van Staa, Bürgermeister Dr. Franz Dengg, sein Kollege Klaus Stocker aus Wildermieming, unser Vize-Bürgermeister Klaus Scharmer und die Mehrheit der Gemeinderäte. Wer nicht da war, so wird kolportiert, fürchtete wohl die „messerscharfen Kommentare der Labara“ oder – noch übler, im Fasnachtstrubel unerkannt unter zu gehen.

Wahre Worte sind nicht immer angenehm

„Die notwendigen Abstimmungen im neuen Mieminger Volksparlament sparen jetzt eine Menge Zeit, weil man ja schon vorher den Ausgang kennt“, Quelle: „Labara 2011, vorletzte Seite. Heute wissen alle, dass sich niemand vor den Enthüllungen der Labara ernsthaft hätte fürchten müssen. Jedenfalls niemand, der nicht erwähnt wurde und das waren viele Voll- und Halbprominente, so der Auer-Siggi. Sie sollten aber nicht böse oder pikiert sein. „Wahre Worte sind nicht immer angenehm – angenehme Worte sind nicht immer wahr“, das versöhnliche Schluss-Zitat vom Zeremonienmeister.

Publikumshit „Almenresort Grün“

„Wir werden beim nächsten Mal stärker auf Motiv-Wagen setzen“, so die Macher um Rudolf Lechleitner und Wolli Schatz. Das Golf-Wagele „Almenresort Grün“, indem Andreas Scharmer „aufs Vortrefflichste Hotelier Franz Pirktl“ parodierte, sei der Publikumsfavorit gewesen. Randnotiz im Protokoll: „Der Andi hat den Franz nachgemacht, ich dachte er sei es darselbst…“. Ebenso wie das Mieminger Fasnachtslied, mehrfach von den Musikanten der Musikkapelle mit ihren Klasse-Sängerinnen Regina Neuner und Helga Schuchter vorgetragen. Stimmungsvoll waren für die zuschauenden Fasnachter auch die Krameter mit ihren aufwendigen Kostümen – sozusagen die Wappenwesen der Gemeinde. Aufregend die Hexen- und Bärentänze oder das hochsensible Aufgebot unserer „Pozilei mit ihrem Ziegl-Stadl“. Alko-Tests vor Ort und das gratis.

Unauffällige Schauer der Nachbargemeinden

„Ach, bitte schreibt das doch auch noch, seid’s so nett“, sagt Wolli Schatz: „Wir haben zu danken. Bei allen Aktiven, Besuchern, der Gemeinde, unseren Gotln, Gönnern, Sponsoren und besonders den Anrainern für ihr Verständnis“. Ohne die Hilfe so vieler Akteure wäre das niemals gut gegangen. Der Dank geht auch an die Feuerwehr Mieming, assistiert von den Feuerwehr-Freunden aus Wildermieming. Mieming-Online gibt den Dank der Gemeinde an alle Akteure zurück. „Gratulation – Ihr seid einfach Spitze“! Die Mieminger Fasnacht hat jetzt eine eigene Identität. Das wurde auch von den unauffälligen „Schauern“ aus den Fasnachtshochburgen unserer Nachbarn in Telfs, Nassereith und Imst bestätigt. → Das Mieminger Fasnachtslied (Video-Beitrag von Andreas Fischer)

Fotos: Anni + Andreas Fischer

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
→ „MediaNews.Blog" – Das Informationsportal MediaNews.Blog informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation. Versteht sich auch als Forum für die Qualität im Journalismus, für Aus- und Weiterbildung in den Medien.
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