Sommer-Pensionat für Schwergewichtige – Bei Poldi, Wanda + ihren 20 Schwestern

Lust auf eine etwas pikante Geschichte? Gut, dann erzähle ich Dir jetzt etwas. Versprich mir aber, bevor Du weiter ließt, dass Du das niemandem weiter sagst. „Ja?“ – „Gut“. Ich muss Dir nämlich unbedingt etwas Vertrauliches erzählen, sonst platze ich noch. Heute bin ich ein paar jungfräulich anmutenden Damen begegnet, die aus einer der ersten Familien Miemings stammen und (wetten, – das glaubst Du mir jetzt nicht?). Die Madele haben nur drei bis vier Monate im Jahr Ausgang! Obwohl sie schon groß genug wären, um auszugehen.

Seitdem ich ihnen begegnet bin, weiß ich auch, weshalb die jungen Damen so wohl behütet werden. Sie sind unvergleichlich schön, zärtlich, anschmiegsam, verschmust und bis auf unbedeutende Kleinigkeiten nahezu fehlerlos. Alle haben einen kleinen, flauschigen Damenbart, aber das stört so gut wie gar nicht. Wie könnte das auch, ein paar Tage nach Conchita Wurst? – Die Neue Zeitrechnung in Österreich „n.C.W.“.

Ja, ein wenig neugierig sind die Hübschen alle, aber sonst? In der heutigen Sprache würde man wohl sagen, „hammerscharf“, „supergeil“ oder „volle druff“! Zwei oder drei sind sogar gepierct. Alle besuchen übrigens die offene Mädchen-Schule in Obermieming, das ist so eine Art Sommer-Pensionat für Schwergewichtige.

Die Rede ist von Babsi, Mara, Victoria, Nelli, Michi, Poldi, Wanda, Marina, Emely Hanni und anderen. Die schönste von ihnen heißt „Herzele“. Morgen kommen dann übrigens die Weibsleit vom Steirer. Mal schau’n, ob und wie das geht? Die sind etwas rauer.

Heute begann für die Schönsten der schönen Frühreifen der Almsommer 2014. Auf dem Vorberg am Kälberriegel, das ist die niedere Alm unserer Obermieminger Bauern.

Die Damen stammen aus dem Stall (pardon, dem Haus) von Klaus Scharmer, unserem Felderer Almmeister (Hobby: Gemeindepolitik!). „Ich muss auf sie aufpassen“, sagt der Klaus. „Drei erwarten im August ihren ersten Nachwuchs, zwei weitere im Herbst“. Na, also Klaus – 22 Madele, hochschwanger und unverheiratet? Alles hätte ich gedacht, aber das nun nicht. Das kommt davon, wenn man die jungen Dinger einsperrt! Da musst Du halt nachts die Leitern wegräumen, oder? Bis zum Hochsommer dürfen aber auch die Schwangeren mit ihren Geschwistern auf die Hochfeldern Alm. Aber erst Mitte Juni. Jetzt ist es droben, im verschneiten Felderer Tal noch zu kalt.

Klaus redet nicht so gerne über seine Vorzeige-Frauen. Das fällt ihm sichtlich schwer. Macht kein Tiroler Sonnenplateau-Scheich gerne. Original-Ton Klaus: „Ach, Du weißt ja, wenn das zu früh bekannt wird, kann ich mich vor herumstreunenden Ochsen nicht mehr retten“.

Ich liebe seine klare Sprache und die unmissverständliche Ausdrucksweise unserer Bauern überhaupt. Warum denn drum ‚rumreden?

„Gut“, sage ich, „Klaus, das bleibt unter uns“ (und in Gedanken: und unseren Mieming-Online-Lesern…). Ich werde ihm nicht mehr unter die Augen treten können. Wenn er von meinem Treuebruch erfährt. Ja. Ich habe gelogen. Ja, ja und nochmals ja – ich schäme mich deshalb. Und abermals ja, Paulinus wird ungehalten sein. Was kann ich tun? Täglich eine Mai-Andacht?

Aber wenn Du sie Dir mal selbst anschaust, die Schönen. Dann wirst Du mich verstehen. Soll ich Dir noch verraten, wo und wie ich der kompletten Scharmer‘schen Damenriege begegnet bin? Insgesamt 22 Damen, keine ist mehr Jungfrau. Da muss nächtens die Post abgehen, bei den Scharmers im Stroh. „Die Jungfrauen bleiben im Stall“, sagt der Klaus. Da bin ich konsequent. Wär ja noch schöner. Nicht mal daran denken.

Ich schweife mal wieder ab (wie ein Raatschkattl), deshalb zurück zur Geschichte dieser ungewöhnlichen Begegnung. Also – unsere Ortsbäuerin, Barbara Spielmann, hat Dir doch vor ein paar Tagen noch erzählt, weshalb am Kälberriegel die Zäune repariert wurden? Du hast dass gelesen, ja? Damit die noch unverheirateten Madele aus unseren bäuerlichen Mädchenpensionaten nicht zu rasch in schlechte Gesellschaft geraten. Wer, frage ich Dich, wenn nicht unsereins, weiß, wie recht er hat? Der Klaus. Erinner Dich: „Männer sind Schweine“, sang vor Jahrzehnten schon Grönemeyer Herbert. Ich kenn‘ den Herbert. Der hat das voll ernst gemeinst. Wirklich.

Wie Du weißt, bin ich ja auch etwas (sehr) neugierig. Berufskrankheit. Am Nachmittag habe ich mich einfach zum üblichen Treffpunkt zum Brunnen vom Kälberriegel aufgemacht. Ich schaute nach links, nach rechts – weit und breit niemand zu sehen – also lasse ich mich im hohen Gras nieder und warte ab. Ob Ihr das nun glaubt oder nicht – es war aber so: Nach ein bis zwei Minuten im Gras, höre ich herannahende Glocken. Glöcklein, um nur einmal bei der Wahrheit zu bleiben.

Erste eine, dann zwei und dann ein komplettes Glockenspiel. Der Engländer spricht von „orchestral bells“. Warum sage ich das jetzt? Sehen wir irgendwo einen Engländer? Nowhere!

Plötzlich bin ich von Wanda, Nelli, Babsi und ihren lieblichen Schwestern umgeben. Sie schnuffeln an mir herum, ziehen ihre langen, grasgrünen Zungen über die Verlängerung meiner Stirn zupfen hier – zupfen da und lassen sich dann von mir berühren. Das Eis war gebrochen. Jetzt durfte ich meine Kamera herausholen und eine nach der anderen fotografieren (aber wehe Dir, wenn wir uns morgen in Feesbugg sehen). Beim ersten Schnuppern am frischen, saftigen Almgras, beim gemeinsamen Trinken am Brunnen, beim Herumtoben und beim ausgelassenen Spiel, die Fotos werden ganz gut.

Schau Dir meine Bilder an. So schmeckt der Sommer in Mieming. Mehr von den Damen Ende Juli. Wir sind fest verabredet. Als ich ging, fragte mich Wanda verschämt, „Du kommst doch wieder?“ – Ich höre mich antworten, „Lass‘ mich mal eine Nacht darüber schlafen, Wanda. Bitte!“

Klaus hat mir übrigens noch verraten, dass heuer, mit den Hochlanddiven vom Otti + Franz, bis zu 250 Madelen im Sommerpensionat auf der Hochfeldern Alm erwartet werden. In der Zeit, in der sich die Berufsläufigen unter die Wanderer mischen.

Auf dem Heimweg höre ich noch, wie Poldi, Wanda und ihre 20 Schwestern ein Liadl anstimmen: „Miar Luchtign, miear Ledign, miar brauchn koa Predigt, miar bruchn koa Amt, weardn decht nit vadommt“.

„Die wissen sehr genau, wo der Barthel den Moscht holt“, dacht‘ ich und beschloss, dieses Erlebnis – zugegeben – leicht verändert nieder zu schreiben. Wenn du so willst, gegen das Vergessen.

Fotos: Knut Kuckel

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
→ „MediaNews.Blog" – Das Informationsportal MediaNews.Blog informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation. Versteht sich auch als Forum für die Qualität im Journalismus, für Aus- und Weiterbildung in den Medien.
→ "OnMyWay.Photos" - mein Foto-Blog. Mit Bildern und Kurzgeschichten von unterwegs. 

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