„Labara 2014“ – Höhepunkt der Mieminger Fasnacht

„Super-Fasnacht, Super-Publikum, Super-Wetter“ – mit diesen drei Superlativen ist der vergangene Sonntag, 23. Feber 2014, auf einen Nenner zu bringen. Beim vorläufigen Höhepunkt der Mieminger Fasnacht 2014 zog sich ein bunter und langer Zug von Zein, Untermieming nach Obermieming und Barwies. Über sieben Stunden dauerte der große Fasnachtsumzug, mit jeweils vier Aufführungen. Den Mieminger Fasnachtsvereinen folgte viel närrisches Volk. Hunderte säumten die Straßen, Wege und Plätze. 

Es roch nach Frühling, die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Besser hätte es nicht sein können. Und dann der Bühnen-Glamour: Starrgäschte im Musikantenstadl bei Karl Moik waren u.a., die auch über unsere Gemeindegrenzen hinaus bekannten Schlagergrößen, Helene Fischer und Andreas Gabalier.

Der Zug war in der Hand (bzw. vielen, vielen Händen) von sieben Mieminger Fasnachts-Gruppen und -Vereinen: Der „Musibanda“ (Musikkapelle Mieming), den „Hexen & Bären“, den „Laningern“ mit dem Labara-Planwagen, gefolgt von den „Paragraphen-Rittern“ mit ihrer „Denggmalgeschützten Burg“, gebaut im Jahre 1071, den „Krametern“, „Plattlern“ und den „Doign“.

Die „Original Mieminger“, die „Doign“, zeigten, dass sie sehr wohl wissen, was im Gemeinde-Jargon eine Umwidmung ist. Ihren „Kulturstadl“ machten sie kurzerhand zum „Musikantenstadl“, und ließen es bei Karl Moik mit dem Hias und ihren berühmten Show-Gästen so richtig krachen.

Der „Kulturstadl“ war den derzeit sehr kontrovers geführten Debatten um die Sanierung des Stadls am Kinderhaus in Untermieming gewidmet. „In Untermieming – des gibt’s ja nou, hat Franz gsagt, ma miasset nou für die Kultur was tian und den Stadel hearichtn, wirklig schian.“ Die Fasnachter unterstützten die Gegner des Projektes. „Wenn do ement die Musig spielt, laut und vehement in der Kuche die Suppe anbrennt – die Nachbarschaft kriegt kua Luft von dieser Suppe üblem Duft.“

Die einfallsreichen „Doign“ dachten, wir brauchen keinen Kulturstadl in Mieming und schon gar nicht fünfzig Meter weit entfernt vom Kulturtempel im Mesnerhaus. „Wenn überhaupt“, so die „Doign“, „dann holen wir uns den alten Moik Kalle“ – mit etwas Unterstützung steht der noch immer auf der Bühne – und dann machen wir aus dem Vorhaben kurzentschlossen einen „Musikantenstadl“. DIE Option für den Breitengeschmack in Mieming.

Die Menge tobte, als „Andreas Gabalier“ (perfekt gedoubelt von Michel Wallnöfer) – zum Auftakt in Zein – seinen Welthit „I Sing a Liad Für Di“ in den hellblauen, wolkenlosen Mieminger Himmel schmetterte:

Ein Gast aus Berlin kommentierte die Show vom Musikantenstadl mit nur einem Wort: „Hamm-a-schtark“. Das war kein Playback. Michel Wallnöfer sang „I sing a Liad für di“ höchst persönlich. A Star was born? – Und Helene Fischer? Schaut’s Euch die Bildl an. Seht Ihr einen Unterschied zum Original? Wir nicht.

Für alle, die nicht dabei sein konnten, lassen wir den Zug in „Mieming-Online“ noch einmal in voller Pracht aufleben. Mit Ausschnitten aus der „Labara 2014“, vielen Bildern und der Original-Musik aus dem Mieminger Musikantenstadl.

„Das Besondere an der Mieminger Fasnacht ist der Team-Geist. Jeder bringt sich ein. So gut er kann und mit seiner jeweiligen Fähigkeit“, sagte Andreas Fischer, der seit einem Jahr die Vorbereitungen der Fasnachtsvereine und -gruppen begleitete. Sozusagen als Spiritus Rector – als „lenkender Geist“.

Alle drei Jahre wird in Mieming Fasnacht gefeiert. Alles beginnt mit dem Einfliegen der „Stöttlhex“, dem Symbol der Mieminger Fasnacht. Danach ziehen Woche, für Woche die Wagen der Vereine durch alle Mieminger Ortsteile. In den urgemütlichen Wagen wird gefeiert, dass sich im wörtlichen Sinne schon einmal die Balken biegen. Jeder Wagen ist wie ein kleines Tiroler Gasthaus ausgestattet. Zum Wohlfühlen.

Höhepunkte waren Umzug und Aufführungen in Zein, Untermieming, Obermieming und Barwies. Dabei gehören zur Tradition der Hexentanz und die Bärenkämpfe. Auf einer Bühne tanzten die Mieminger Plattler – Jung- und Seniorenplattler.

Die „Pozilei“ war zur Sicherheit übrigens stets vor Ort. Die Orts-Gendarmen Michel & Hannes (beides noch Junggesellen), eskortierten das bunte Treiben. Im Drei-Viertel-Takt forderten sie ihre Opfer auf „rechts ran zu fahren“. Denn „jetzt kommt eine Kon-trolle trall-la-la“.

Besonders beeindruckend fanden wir auch die Auftritte der Krameter, die das Wappensymbol der Gemeinde Mieming, die Krametstaude repräsentieren. Heuer waren unsere Musikanten als Bergsteiger kostümiert. In ihren Reihen der leibhaftige Reinhold Messner (gespielt vom „Uhu“, bürgerlicher Name Köll Michael), der im Kampf den Schneemenschen „Yeti“ besiegte.

Bei den Aufführungen wird vom Auer Siggi die 16-seitige Labara verlesen. Den Siggi kennt Ihr alle? Das ist der „Halli“ vom „Galli“. Sozusagen ein leibhaftiger Kulturträger. „Halli Galli“ spielen an diesem Fasnachtswochenende in der Stöttlalm. Das nur so am Rande. Vielleicht geht Ihr mal hin und sagt den beiden, dass sie gut waren?

Zu der „Labara“ spielte die „Musikkapelle Mieming“ Fasnachtlieder, die in Mieming komponiert wurden, u.a. das berühmte „Mieminger Fasnachtslied„, heuer in einer neuen Version. Zum vergrößern bitte im Video, unten rechts auf das an vier Seiten offene Quadrat klicken.

Mieminger Fasnachtslied, Musik: Helmut Happ, Text: Helmut Happ, Johann Krug. Produktion: Andreas Fischer, Text/Noten vom Mieminger Fasnachtslied zum → Download (PDF)

Mit der „Labara 2014“ wird abgerechnet. So ziemlich jeder, der in irgendeiner Weise in den vergangenen drei Jahren „auffällig“ war bekommt im sprichwörtlichen Sinne „sein Fett ab“. Doch lest selbst, wie der Siggi diese „Abrechnung“ erklärt:

„Ihr lieben Leut’ aus nah und fern – hört die Geschichten von diesen Herrn. Von Obermieming, Barwies, Fronhausen oder See – es kommt an die Öffentlichkeit, ihr wisst es eh’! Es geht um Kalbl- und um Schweinezüchter, um Beamte, Pensionisten – und um andere Dienstverrichter. Der große und der kleine Mann – über jeden man etwas sagen kann. Man soll nicht mit Finger auf andere zeigen – über jeden man könnte eine ganze Labara schreiben. Drum: Es soll dir nicht gehen der Reis, wenn sie gerade über Dich etwas zu berichten weiß! (Originalspruch von Franz Walch vulgo Prischgge)“.

Ortstafeln: A paar Doige haben in finstrer Nacht, des Ober auf des Mieming gmacht. Es hat it lang dauert, nache hab’n sie es überlauert und schnell des OBER lassen obmontiern – mir Gemeindeväter tuan ins decht nit blamieren, am nächsten Tag, ihr glaubt es kaum, kein OBER mehr – aus der Traum.

Live aus dem Mieminger Musikantenstadel, Die Paragraphen-Ritter, „Ja, so waren die alten Rittersleut„:

Paragraphenritter Dengg, den jeder da in Mieming kennt, hockt in der Gemeindestubm, tuat des ganze Geld verjubeln, Iatz lassn mir amol in Franz und Ruah, und wenden ins den andern zua die sich hinter ihm verstecken, und die Köpf it ausserecken…

Bürgermeister Franz, der schon in seiner Neujahrsansprache, Anfang Jänner, bekannt gab, dass er bei den Fasnachtern den Beinamen „Beton Franz“ habe, was im wesentlichen wohl auf den neuen Gemeindeplatz zurückzuführen sei, machte durchweg gute Miene zum Labara-Spiel.

„Das ist die Mieminger Fasnacht“, hat der Franz einer jungen Journalistin im Interview gesagt. So muss das bei uns sein. Die Kollegin fand das „bemerkenswert“ und wippte mit ihren Hüften zur Live-Musik von Halli & Galli. Auf der Doign-Burg spielten übrigens die Doubles von Halli & Galli mit Hias zum ersten Mal vor heimischen Publikum der „Marienberg-Jodler“. Eine Welt-Premiere. Absolut hitverdächtig!

Bürgermeister Franz‘ Diplomatie half leider wenig. Gemeinsam mit Thomas Reich und Grutsch Wolfgang wurde der Franz erst am Pranger der Paragraphen-Ritter zur Schau gestellt und dann „geköpft“. Die anwesenden Altbürgermeister ließen, hinter vorgehaltener Hand verlauten, dass es zu ihrer Zeit weniger hart zuging, in unsra Gmoa.

Für alle, die jetzt in tiefer Sorge um unseren Bürgermoaschter sind, sei gesagt, er lebt noch. Es war glücklicherweise ja alles nur ein Schauspiel! O-Ton (Original-Ton): „Ich habe heute viel gelernt und freue mich, dass ich meinen Kopf wieder habe“. „Beton-Franz“, im Gespräch mit Mieming-Online.

Es gibt noch so viel zu erzählen. Vom „Bärigen Hexen-Salon“, wo ahnungslose Bürgerinnen und Bürger in Folie verpackt wurden und sich unter Anwendung zarter Gewalt einer kosmetischen Behandlung unterziehen durften. Oder vom „Mieminger Mear“, aus der Werbung bekannt als Badesee Mieming:

„Willsch amol die Gegend erkund und derbei den Sea umrund`n, Muasch a Besichtigungsmaut hinterleign. Sinscht hot die Antschi eppas derge-ign Durschtig tuasch noch a Radltuur endli in Leitchturm erreichn, Muasch di ober huamlig bei der Kassa vorbeischleichn. Hosch epper nou a Hösl und Hondtuach derbei, Isch dr Entritt zun Moler Rudl umma nimma frei.“

Dorfplatzeröffnung
Der Franz hat gsuacht – eh höchste Zeit
für die Platzeinweihung, Mander- und Weiberleit
sie sollten diese Feierstunde organisieren
zur Freude der Menschen Geist und Munde
Was , kua Zeit, des gibt`s doch nicht
Was, die megn it, des geaht decht it
Koaner vo die Vereinsobleit
war für die größte aller Stunden bereit.
Da sagt der Franz, wisst ös was,
mir machens selber, dann isch was los.
Und hat aus der Not die Tugend gmacht
danach isches e vorbei und vollbracht.

Hias und Karl: „Servus, Pfüat Gott und Auf Wiederseh’n“:

Für die Bewirtung an den vier Aufführungsplätzen sorgten u.a. die Vereine, das Café Maurer-Haselwanter und der Frischemarkt Plattner. Unsere Freiwillige Feuerwehr Mieming hat den Verkehr geregelt und für unsere Sicherheit gesorgt. Gottseidank, ist nichts passiert! Danke, lieber Gott!

Wenn Ihr noch einmal die ganze „Labara 2014“ lesen wollt, könnt Ihr das 16-seitige Pamphlet über die Ehrenwerten der Gemeinde kaufen. Überall in Mieming, wo man etwas kaufen kann. Die „Labara 2014“, in gedruckter Version und – wie der Exil-Mieminger in Miami-ng sagen würde, „Kost DREI OIRO“.

Dafür lest Ihr da noch ziemlich unrühmliche Moritaten, z. B. über „Klein Chikago („vuu Amerika hea hoult die Walt iatz inser schians Mieming ein Wall kluan Chikago findasch seit nui-eschten in Zein zersch amol weard s`heagrichtata Koppella mit Schrottlimosinen verziert…“) oder „Bauer sein isch schian“, über die „Dorfplatzeröffnung„, die verhinderte Barwieser „Schaumparty“ der Jungbauern-Rebellen über die Führungskräfte-Flucht der „Musikkapelle“, die nächtliche „Kuhjagd“ in Obermieming, das „Buswartehäuschen“ in rostigem Eisen aus Telfs, den „Kapitalen Hirsch“ – aus der Reihe „Waidmannsheil und Waidmannsdank“ (des Jagerleben isch a Schwank), Gemeindeplatz und Kulturstadl, das Mesnerhaus („…von der Kunst, a wahre Pracht, muasch di von dem Foto lösen, sonst schickt er di ganz glei in Häfn“), den Barwieser oder Obermieminger Kneipen, Geschichten „Aus der Gemeindestub´n„, vom „Barwieser Glockengeläut„, „Wir sind Kaiser“ oder von „Schwarzbauten„.

Vergessen dürfen wir auch nicht die Labara über „Hundsvieh„, „Heuballenkegeln„, eine „Diebische Elster„, den „Besenbinder“ oder „Pfonnenflicker„, „Scharnschleifer“ und manches mehr.

Dass des nit wird jetzt langsam fad – schließen wir mit einem Labara-Zitat: „Wahre Worte sind nicht immer angenehm, angenehme Worte sind nicht immer wahr“.

Fotos: Elisabeth, Anni, Maria und Andreas Fischer, Bianca Wischounig

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
→ „MediaNews.Blog" – Das Informationsportal MediaNews.Blog informiert über die Themenbereiche Medien, Journalismus und Kommunikation. Versteht sich auch als Forum für die Qualität im Journalismus, für Aus- und Weiterbildung in den Medien.
→ "OnMyWay.Photos" - mein Foto-Blog. Mit Bildern und Kurzgeschichten von unterwegs. 

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