Ausfliegen der Fasnacht 2011 in Mieming – „Stöttlhex, es isch so weit“

„Stöttlhex, es isch so weit, du muasch ins verlassen heit“, klagte der Auer Siggi in seinem Abschieds-Gedicht zum „Ausfliegen der Fasnacht 2011“ in Mieming.

Vor zahlreichen Ohren- und Augenzeugen wurde am Dienstag, dem 8. März 2011, auf dem Gemeindeplatzl das Symbol der Mieminger Fasnacht tränenreich in den Stöttl entlassen. Am Vorabend zum Aschermittwoch wurde damit die überaus erfolgreiche Fasnacht offiziell verabschiedet.

„Hoffentlich dauert’s it wieder so lang…“, war die einhellige Meinung aller Fasnachtler und Siggi Auer machte allen Hoffnung: „Die Fasnacht sollte doch eine Einrichtung sein, bei der die Leit sich können in kürzere Abständ‘ erfreun“. Rudolf Lechleitner, Obmann vom Liechtmessverein, übergab die Gemeindeschlüssel an Vize-Bürgermeister Klaus Scharmer, der als Stellvertreter von Bürgermeister Dr. Franz Dengg „Ein paar Abschiedsworte“ der Stöttlhex mit auf den Weg gab. Als sie schließlich aufgebahrt unsere Gemeinde, Richtung Stöttl verließ, spielte die Musikkapelle Mieming „Auf Wiedersehn, auf Wiedersehen, bleib nicht so lange fort…“.

Erfolgreiche Wiedergeburt der Mieminger Fasnacht

Die Stöttlhex, Symbolfigur der Mieminger Fasnacht, wurde nach einer langen Pause von 27 Jahren, am 6. Jänner dieses Jahres „eingeflogen“ und eröffnete damit die heiße Phase des närrischen Treibens in Mieming. Neben Hexenbällen, den vielen Feschtln der Fasnachtsgruppen-Wagen in Untermieming, Obermieming und Barwies und dem großen Fasnachtsumzug am 27. Feber mit dem Aufführen der „Labara 2011“ sowie anderen Veranstaltungen war die Wiedergeburt der Fasnacht in Mieming ein großer Erfolg. Das von Helmut Happ komponierte → Mieminger Fasnachtslied wurde über Mieming-Online und YouTube mehr als 4-tausend-500 Mal angeklickt. Scharf gewürzt war die finale Version der Laninger-Labara.

Bürgermeister-Abschied von der Hexen-Diva

An der Abschiedsfeier konnte Bürgermeister Dr. Franz Dengg aus familiären Gründen nicht teilnehmen. Er formulierte aber eine Abschiedsrede für die Stöttlhex, die es in sich hatte. Vorgetragen von Vize-Bürgermeister Klaus Scharmer. Wir erinnern uns „Wenn sie ihre Sache als Regentin auf Zeit in unserer Gemeinde gut macht“, versprach der Bürgermeister am Ankunftstag, „werde ich sie zum Abschied busseln“. Das Bürgermeister-Busseln blieb aus, denn „für die Arbeit hast du dich nie aus dem Ledersessel erhoben, sondern hast dich immer nur wie eine Hexendiva benommen; herrschsüchtig und faul!“. Gebusselt wurde die Stöttlhex dennoch.

Keine „heißen Themen aufgegriffen“

Der Bürgermeister ließ verlauten, die Stöttlhex habe „trotz der 27-jährigen Abwesenheit ihr verhextes Diva-Verhalten nicht verlernt. Du hast nicht einen Hexenfinger für unsere Bürger gekrümmt. Aber bei jeder Veranstaltung warst Du der Star des Abends.“ Die Stöttlhex möge in den langen Nächten im kühlen Stöttl über ihr Verhalten nachdenken und sich bis zur nächsten Regentschaft bessern. Bürgermeister Franz Dengg ließ in seinen konstruktiv-kritischen „Worten an die Stöttlhex“ augenzwinkernd einfließen, dass seine Fasnachts-Vertreterin keine „heißen Themen aufgegriffen“ habe und einfachste Arbeiten liegen gelassen habe. „Aus Sicht der Gemeinde kann ich nur sagen, Gott sei Dank, dass du heute wieder einen Abflug machst“. Die Stöttlhex wird’s verkraften. Sie war schließlich bei jeder Feier dabei.

Stolz auf den Zusammenhalt der Gemeinde

Die Fasnachtler waren verständlicher Weise anderer Meinung und versicherten zum Abschied: „Wir haben uns gefühlt recht wohl, mit dir in unserer Mitte als Symbol“. Vize-Bürgermeister Klaus Scharmer in seinem ausgleichenden Vorwort: „Ich bin stolz auf das, was unsere Gemeinde in den Fasnachtswochen geleistet hat“. Aus „Nichts“ sei wieder etwas entstanden, was die ganze Gemeinde im Schulterschluss geschaffen habe. Auf einen Nenner gebracht: „Zusammenhalt“. Die Fasnacht habe sich in den vergangenen Wochen zum Selbstläufer entwickelt und die Leute hätten wieder mit wachsender Zahl aktiv am Gemeindeleben teilgenommen. „Auch deshalb war die Fasnacht aus Gemeindesicht ein voller Erfolg!“.

Tschüß und Adé, flieg in den Stöttl

„Aber das Beste, waren die Aufführung und die Wagen-Feschte“, resümierte in seinem Gedicht zum Ausfliegen der Fasnacht, Siggi Auer. „Es tian zwor nit alle an Spaß verstien, ober trotzdem war es für die meisten wunderschian“. Die Obleute vom Fasnachtskomitee allen voran der Liechtmessverein, die Doig’n, Hexen & Bären, Schnapsbrenner & Panscher, Heilige Cäcilia, Mieminger Laniger und die Krameter trugen die Stöttlhex aufgebahrt und feierlichen Schrittes in die sternenklare, kalte Nacht hinaus. Keiner der Träger registrierte, dass sich ihr wertvolles Gut im Dunkel der Nacht unbemerkt verabschiedete und davonflog. „Tschüß und Adé, hebe ab und flieg in den Stöttl, in den tiefen Schnee“.

Stöttlhex freut sich auf kürzere Pausen

Die Mieminger Fasnacht war mehr als ein Erfolg. Sie leistete einen gewichtigen, gesellschaftlichen Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gemeinde. Klaus Scharmer hat recht, wenn er zum Finale darauf verwies. Ob es nun in Abständen von drei oder vier Jahren mit der Fasnacht weitergeht, soll im Sommer entschieden werden. Dazu GR Ing. Wolfgang Schatz, Schriftführer im Liechtmessverein: „Wir gönnen uns alle erst einmal eine kreative Pause. Im Juni oder Juli setzen wir uns im Kreise aller Aktiven zusammen. Reflektieren, analysieren und machen das Ergebnis unserer gemeinsamen Entscheidung bekannt“. Eines scheint heute schon ausgemacht – die Stöttlhex darf sich auf kürzere Fasnachts-Intervalle einstellen.

Fotos: Anni Fischer

Knut Kuckel

Journalist / Publizist. Herausgeber von:
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